20
Jahre OMEGA - Grußwort der Schirmherrin Renate
Schmidt
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Grußwort anlässlich des 20 - jährigen Bestehens
des Vereins OMEGA - Mit dem Sterben leben e.V.
Seit dem Mittelalter war Hospiz ein Begriff für ein Gebäude, das der Aufnahme von Gästen und auch Kranken diente. So entstanden die ersten Hospitäler. Im vorigen Jahrhundert hatte sich die Versorgung Kranker und Sterbender zunehmend in die Institutionen, in Krankenhäuser und Altenheime verlagert. Galt es doch zumeist als ein Tabu, über Siechtum und Sterben zu sprechen.
Heute verstehen wir unter Hospiz ein umfassendes
Konzept mit dem Ziel, das Leiden Sterbenskranker
zu lindern, ihnen das Verbleiben in der
vertrauten Umgebung zu ermöglichen
und auch den Angehörigen beizustehen.
Obwohl die meisten Menschen ein Sterben
in der eigenen Häuslichkeit wünschen,
sterben sie mehrheitlich nicht in ihrer
eigenen Wohnung oder im Kreise ihrer Familie.
Angemessene Formen des Umgangs mit Sterben
und Tod entwickeln sich nur zögerlich.
Bewältigungsstrategien aus früheren
Jahrhunderten sind zunehmend verloren gegangen.
Deshalb freue ich mich besonders, dem Verein
"Omega - Mit dem Sterben leben"
als Wegbereiter einer neuen Kultur des Umgangs
mit Sterben zu seinem Jubiläum die
herzlichsten Glückwünsche zu
überbringen.
Vor 20 Jahren formulierte und praktizierte
der Verein als erste Hospizinitiative für
ambulante ehrenamtliche Hospizarbeit neue
Anforderungen an eine humane Sterbebegleitung.
Omega hat mit seiner Arbeit und seinem Engagement
aktiv dazu beigetragen, dass die Hospizbewegung
zu einem akzeptierten Hilfsangebot für
Menschen in der letzten Lebensphase geworden
ist. Von Beginn an lebte die Hospizbewegung
vom ehrenamtlichen Engagement Vieler, die
ihre Kraft und Freizeit einsetzten, um Sterbende
und deren Angehörige zu unterstützen.
Die Bereitschaft, in der Hospizbewegung
mitzuarbeiten, ist in den letzten Jahren
weiter gestiegen. Mit der Zunahme des Anteils
der Hochaltrigen in der europäischen
Gesellschaft zeigt sich aber auch, dass
eine wachsende Zahl von Menschen in der
letzten Lebensphase Hilfe von außen
braucht. Im Jahre 2002 wurden in Deutschland
51000 Menschen in stationären und ambulanten
sowie in Palliativstationen betreut. 2003
wurden 35000 Menschen in 952 Hospizdiensten
begleitet. Und die Zahl steigt weiter. Erfreulicherweise
steigt aber auch die Zahl der Hospize in
der Bundesrepublik Deutschland.
Hospizarbeit und Ehrenamtlichkeit sind
unmittelbar miteinander verbunden, nicht
nur geschichtlich, sondern auch inhaltlich.
Denn Hospizarbeit ist immer noch wesentlich
freiwilliges bürgerschaftliches Engagement.
Deshalb unterstützt das Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend die Aktivitäten zur Weiterentwicklung
der Angebote für eine mitmenschlich
getragene Sterbebegleitung. Das Engagement
zum Ausbau des Hospizangebotes in Deutschland
ist auch eine deutliche Antwort auf die
in einigen Ländern gesetzlich mögliche
Sterbehilfe. Wir können heute feststellen,
dass die Hospizarbeit Eingang in das Gesamtkonzept
der Altenpolitik und Altenhilfe gefunden
hat. Und der Verein "Omega - Mit dem
Sterben leben" hat mit dazu beigetragen.
Dafür danke ich allen ehrenamtliche
Helfern und Helferinnen.
Renate Schmidt
Bundesministerin für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend
22.Oktober 2005