Themen

"Elefant im Raum"

Von Stefan Keim

Das Schlosstheater Moers startet eine Projektreihe über das Sterben mit dem Theaterstück "Elefant im Raum". In der Projektreihe geht es um die Ausgrenzung des Todes aus unserem gesellschaftlichen Leben.


Kritik von Guido Rademachers auf nachtkritik.de:
"Elefant im Raum (UA) – Ein Projekt zum Thema Überleben in Moers"


Berührungs-Angst

Das Thema Tod ließe sich über jeden zweiten Theaterspielplan schreiben. Überall wird gestorben, bei Shakespeare, Schiller – und in den Opern sowieso. Das Schlosstheater Moers setzt sich nicht mit diesen Bühnentoden auseinander. In der Projektreihe "Über/Gehen" geht es um die Ausgrenzung des Todes aus unserem gesellschaftlichen Leben, um das Abschieben von Schwerkranken, die Veränderung, die Todesnähe bei Menschen auslöst. Mit Theateraufführungen, einer Ausstellung, vielen Lesungen und Vorträgen umkreist das in solchen Projekten zwischen Kunst und sozialem Engagement erfahrene Schlosstheater das Thema.


Grundsätzliches zum Thema Tod

Am Anfang steht die Uraufführung des Stückes "Elefant im Raum", das auf Interviews mit 19 jungen Leuten basiert, die lebensgefährdend erkrankt waren. "Ich muss einfach stark sein und kämpfen, um diese Krankheit zu besiegen." Eine Frau steht auf der Bühne und spricht diese Sätze ins Publikum. "Und ich muss auch stark sein für meine Familie. Weil es für die natürlich verdammt hart ist, was da passiert, zu verarbeiten." Katja Stockhausen ist keine Betroffene, sondern Profischauspielerin in Moers. Den ersten Teil des Abends gestaltet sie mit ihrem Kollegen Matthias Heße. Weil es hier nicht um Befindlichkeiten und Einzelschicksale geht, sondern um Grundsätzliches. "Elefant im Raum" ist ein Stück über Krankheit, Todesnähe und wie unsere Gesellschaft damit umgeht. Medien schlachten rührende Geschichten aus, um Quote zu machen. Doch im normalen Leben ziehen sich Freunde zurück. Und wer in einer Bewerbung schreibt, dass er Krebs hat, bekommt nicht einmal eine Absage.

 

Auf die Krankheit reduziert

Menschen werden auf ihre Krankheit reduziert. Dagegen will das Schlosstheater Moers mit seiner Projektreihe angehen. In Zusammenarbeit mit Hospizen, Kliniken, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen. Der Titel des Stückes "Elefant im Raum" zitiert ein englisches Sprichwort. Ein riesiges, unübersehbares Problem wird von allen ignoriert. Es ist ein überraschend witziger Abend heraus gekommen.. Die Schauspieler und zwei junge Frauen, die vor einigen Jahren schwer krank waren, setzen satirische Spitzen. Sie wetteifern darum, wer den größten Tumor hatte und bilden eine schräge Band, "Les Docteurs", die experimentelle Musik ebenso auf die Schippe nimmt wie das Verhalten mancher Ärzte.

 

Chance, Leben zu lernen

Immer wieder hält man inne. "Meine Schleimhäute waren ganz kaputt", erzählt die 20-jährige Lisa Gräf aus Duisburg. "Ich konnte nicht mehr richtig reden. Das war dann so zäh und eklig. Meine Zunge war ganz fies dick. Ich hatte nur noch Matsch im Mund." Ihr Ton ist unsentimental, sie will kein Mitleid, berichtet, wie es war. Eben das ist eindrucksvoll. Lisa Gräf hat nie zuvor Theater gespielt. Sie nutzt die Möglichkeit, ganz anders auf ihre Erkrankung zu schauen, die nun schon länger vorbei ist. Und nimmt dabei die Zuschauer mit.

Man spürt eine große Klarheit, ein anderes Bewusstsein dem Leben gegenüber. Andere Betroffene äußern sich in Videoeinspielungen, junge Erwachsene, die jeden Tag genießen, als könnte es der letzte sein. Menschen, die sich nicht treiben lassen, sondern das tun, was ihnen wichtig ist. Krank sein, das wird an diesem beeindruckenden Abend deutlich, ist eine Chance, Leben zu lernen.


Ort: Schlosstheater Moers, Kastell 9, 47441 Moers

Karten: 02841 - 88 34 110
Internet: www.schlosstheater-moers.de


Zum Buch "überGehen – Lebensgrenzen, Todesbilder und Abschiedskultur" finden Sie weitere Informationen im PDF (110 KB).

OMEGA-Benefizprojekt
"Der selbstsüchtige Riese" von Oscar Wilde

Ein märchenhaftes Geschenk für Kinder und Erwachsene

„Sieben Jahre ist der selbstsüchtige Riese bei seinem Freund, dem Menschenfresser, zu Besuch gewesen. In dieser Zeit ist in seinem Garten viel passiert: Zwischen den Blumen und Bäumen spielten nach der Schule die Kinder.
Als der Riese wieder nach Hause kommt und das fröhliche Treiben sieht, wird er wütend. Er baut eine riesige Mauer um seinen Garten, um diesen für sich wieder allein zu haben.
Doch der Winter kommt und will nicht mehr gehen...“

Was passiert, damit am Ende doch wieder Wärme und Licht einkehren, das erzählt das Musikmärchen, das der Komponist Stefan Heucke nach einem Text von Oscar Wilde geschrieben hat. Die Pianisten Andreas Grau und Götz Schumacher haben es im Papageno-Konzert Mitte Mai uraufgeführt, eine professionelle Aufnahme wurde vom WDR gesponsort. Die Erzählerin ist Bettina Böttinger.

Alle Künstler dieses eindrucksvoll interpretierten Märchens verzichten auf ihre Honorare zugunsten OMEGA e.V. Das Märchenbuch mit CD ist im Schott-Verlag Mainz erschienen und bei OMEGA und im Buchhandel zu erhalten. 

Der Reinerlös ist für die bundesweite Begleitarbeit von OMEGA - mit dem Sterben leben e.V. bestimmt. Bitte unterstützen Sie dieses Projekt mit allen Kräften.

 

Oscar Wilde
Der selbstsüchtige Riese
Buch mit CD
44 Seiten, gebunden, in Farbe
Preis: 19,95 Euro zugunsten OMEGA

 

Erhältlich im Buchhandel oder bei der Omega Bundesgeschäftsstelle

 

Keine geregelten Dienstleistungen für die Selbsttötung!

Hier finden Sie die gemeinsame Stellungnahme von BioSkop und OMEGA als PDF-Datei (ca. 197 KB).

 

 


Positionspapier

Wissenschaftlicher Beirat Omega – mit dem Sterben Leben e.V. erläutert die aktuellen Probleme in der Hospizbewegung.

Anerkennung oder Angleichung? (PDF, 172 KB)

 

zum Weiterlesen:
Mythen und Wirklichkeiten in der Sterbebegleitung,
(Rundbrief März 2011) (Word, 49 KB)

Stirbt die Hospizbewegung am eigenen Erfolg,
(Rundbrief Dezember. 2008) (Word, 61 KB)



Weitere Materialien

Deklaration der Menschrechte Sterbender
(PDF, 26 KB)

Konzept zur Vorbereitung auf die ehrenamtliche Begleitung Sterbender (PDF, 3,3 MB)

 

 

Ab sofort können Sie die Dokumentation der Tagung als PDF herunterladen:
Tagungsdokumentation Ökonomien des Sterbens (PDF, ca. 1,4 MB)

 

Sterben ist heutzutage ein öffentliches und ein  politisches Thema. Allerdings nicht nur in der Weise, wie es sich die Hospizbewegung seit Jahrzehnten wünscht: Wie können schwerstkranke und sterbende Menschen, ihre Angehörigen und ihr Freundeskreis gut begleitet werden? Welcher gesellschaftlichen Anstrengungen bedarf es, um Sterben unabhängig von Herkunft, sozialer Stellung und Geldbeutel erträglich zu gestalten?

 

Ähnlich wie in anderen Lebensbereichen auch, sollen Vorsorge, Planung, Dienstleistung die allzu menschlichen Befürchtungen zähmen. Der Wunsch, den eigenen Körper kontrollieren, den Alltag mit schwerer Pflegebedürftigkeit vermeiden oder im Griff behalten zu können, wird zumindest in den durch Medien vermittelten Expertengesprächen und politischen Debatten auf gefährliche Bahnen gelenkt. Ärztliche Beihilfe zur Selbsttötung und der tödliche  Behandlungsabbruch via Patientenverfügung oder die „aktive Sterbehilfe“ als  nachfragbare Dienstleistung stehen auf der Agenda.

 

„Selbstbestimmung bis zuletzt“ lautet das Versprechen. Viel wird auch über eine „Apparatemedizin“ gesprochen, die das Sterben nicht mehr zulassen könne. Sehr wenig über soziale Sicherungssysteme, die immer mehr Menschen im Alter und Krankheit unzureichend absichert. Kranksein macht arm, es gefährdet das kleine Erbe für die Angehörigen, überfordert Familien – vor allem Frauen –, die sich gute Pflegebedingungen nicht leisten können und ist mit der Perspektive auf spärliche Renten sehr beängstigend. Diese materiellen Lebens- und Sterbebedingungen gelten nicht selten als „unabänderlich“, obwohl sie politisch und gesellschaftlich zu verändern wären. All das sind wenig beachtete Motive, die verschiedene Dienstleistungsangebote, die das „schnelle Sterben“ unter Vermeidung von langer Pflegebedürftigkeit als eine Art privater Lösung plausibel machen. Die gesundheits- und sozialpolitischen  Unverantwortlichkeiten bleiben unberücksichtigt.


Themen der „Ökonomien des Sterbens“ sind:
Wie wird öffentlich über die verschiedenen Varianten der Sterbehilfe gesprochen? Und was wird verschwiegen? Wie denken Ökonomen über die Pflege nach? Und wie kann die Versorgung Schwerstkranker und Sterbender unter passablen Arbeits- und Lebensbedingungen organisiert und bezahlt werden? Was brauchen Menschen an Zuspruch und sozialer Absicherung am Lebensende?

Unterkategorien

Hier finden Sie Informationen über die aktuellen Ereignisse.

  Sorgegespräche im Prozess statt Gesundheitliche Versorgungsplanung
  für die letzte Lebensphase (PDF, 571 KB)

  Rundbrief August 2016 (PDF, 1,8 MB)

  Flyer zur Ausstellung ENIGMA - Christian Heeck (PDF, ca. 600 KB)

Der Verein „OMEGA – Mit dem Sterben leben e.V.“ gibt zum Start des neuen Schuljahres umfassendes Unterrichtsmaterial heraus, mit dem sich Lehrer/innen und Schüler/innen in Grundschule, Sekundarstufe 1 und Sekundarstufe 2 mit verschiedenen Facetten des Umgangs mit Sterben und Tod auseinandersetzen können.

Alle Einheiten sind altersgerecht und angebunden an Lehrplaninhalte. Die Einheiten bestehen aus didaktischen Hinweisen für die Lehrer/innen, Informationstexten und Arbeitsblättern. Sie zielen darauf, dass die Schüler/innen sich Informationen aktiv aneignen und kreativ und handlungsorientiert mit ihnen umgehen. Dabei ist ein Ziel, Halbwissen und Ängste durch die fundierte Beschäftigung und eigene Gedanken zu ersetzen.

Ebenfalls Teil des Unterrichtsmaterials sind mehrere Filme, u.a. aus dem Kinderhospiz Regenbogenland in Düsseldorf sowie eine Reportage, die den Weg eines gerade Gestorbenen nachgeht, sowie Interviews mit u.a. der Philosophin Petra Gehring und der Theologin und Pädagogin Martina Plieth.